Honorar nach Projekttyp und Phase
| Projekt | Umfang | Spanne (inkl. MwSt. 17 %) |
|---|---|---|
| Küchen-Layout + Genehmigungspläne | APS + Genehmigung | 2 000–3 500 € |
| Wohnungssanierung mit Genehmigung | APS + APD + PE + ACT | 4 500–8 000 € |
| Anbau 25–40 m², Einfamilienhaus | Vollmission ohne DOE | 6 500–12 000 € |
| Neubau Einfamilienhaus, schlüsselfertig | APS → DOE | 35 000–55 000 € (9–13 % der Werkkosten) |
| Denkmalgeschützte Fassade | Genehmigung + Behördenkontakt | 3 000–6 000 € |
| Stundenberatung (punktuell, Machbarkeit) | pro Stunde | 95–160 €/h |
Tarifstruktur:
- Prozent der Werkkosten — OAI-Ansatz für Neubau und grosse Sanierungen. Bei einer 400 000 €-Baustelle ergeben sich 36 000–52 000 € Honorar bei voller 9–13 %-Mission.
- Phasen-Pauschale — bevorzugt bei Kleinsanierungen und Einzelphasen; Kunde ist gegen Kostensteigerungen der Werkkosten abgesichert.
- Stundensatz — für Machbarkeit, Behörden-Kontakt, Streit. 95–160 €/h netto ist die aktuelle Luxembourg-Stadt-Spanne.
Ein Honorar von 5 500 € netto bei MwSt. 17 % ergibt 6 435 € brutto. Immer klären, ob der Prozentsatz auf die Netto- oder Brutto-Werkkosten angewendet wird — 10 % auf brutto entsprechen etwa 12 % auf netto.
Die neun OAI-Phasen und wann welche zählt
Die OAI-Referenzordnung teilt eine Vollleistung in neun Phasen. Wer die Codes kennt, kann eine Teilleistung verhandeln, ohne eine kritische Phase zu überspringen.
Die neun Phasen in Reihenfolge:
- APS — Avant-Projet Sommaire. Konzeptskizzen, Volumenstudien, Zielbudget. ~8 % der Gesamtvergütung.
- APD — Avant-Projet Détaillé. Detailentwurf, Materialwahl, technische Beschreibung. ~14 %.
- PAP — Procédure d'Aménagement Particulier. Nur wenn ein kommunaler PAP geändert werden muss. variabel.
- PE — Projet d'Exécution. Ausführungspläne und Leistungsverzeichnis. ~22 %.
- DCE — Dossier de Consultation des Entreprises. Ausschreibungsunterlagen. ~8 %.
- ACT — Assistance pour Contrat de Travaux. Angebotsanalyse, Vertragsentwurf, Unterzeichnung. ~4 %.
- DET — Direction de l'Exécution des Travaux. Bauleitung, wöchentliche Baustellentermine. ~33 %.
- AOR — Assistance aux Opérations de Réception. Mängelliste, Abnahme, Gewährleistungsfreigabe. ~6 %.
- DOE — Dossier des Ouvrages Exécutés. Bestandsunterlagen, Wartung. ~5 %.
Häufige Teilleistungen:
- Nur Genehmigung: APS + APD auf Genehmigung beschränkt — 15–20 % der Vollleistung
- Entwurf ohne Bauleitung: APS + APD + PE + DCE — 52 %
- Nur Bauleitung: DET + AOR + DOE — 44 %
Bei einem Anbau oder einer Sanierung bündelt DET die meisten Baustellen-Entscheidungen. Diese Phase zu streichen ist riskant — unbegleitete Baustellen kosten meist 6–10 % mehr in Nacharbeit.
Wann ein Architekt in Luxemburg gesetzlich Pflicht ist
Die luxemburgische Regelung verlangt für die meisten Baugenehmigungen einen OAI-Architekten. Ein kurzer Entscheidungsbaum spart den Gang zur Gemeinde.
Architekt Pflicht bei:
- Jeder autorisation de bâtir über 80 m² Bruttogrundfläche — die Schwelle gilt für das gesamte gebaute Volumen inkl. Keller und nutzbarem Dachgeschoss
- Jeder Aussenänderung an Fassade, Dachlinie oder öffentlich sichtbarem Element in Schutzbereichen oder Denkmalgemeinden
- Jedem Neubau auf unbebauter Parzelle, unabhängig von der Grösse
- Jeder strukturellen Änderung — tragende Wand, Deckenöffnung, Dacherhöhung
- Nutzungsänderung von Wohnen zu Gewerbe oder Mischnutzung
Architekt nicht zwingend bei:
- Innen-Auffrischung ohne Änderung von Struktur, Grundriss oder Fassade (Küche, Beläge, Innenanstrich)
- Gartenhäuser unter 20 m² ohne Fundament — die meisten Gemeinden akzeptieren eine déclaration de travaux ohne Architektenstempel
- Solaranlagen, Wärmepumpen-Tausch, Fensteraustausch mit gleicher Öffnung
Ingénieur-conseil, nicht Architekt:
- Rein strukturelle Arbeiten (Träger-Verstärkung, Fundamentunterfangung) werden vom ingénieur-conseil structure unterzeichnet — eigenständige OAI-Profession mit eigener Honorarordnung
- Energieausweise (CPE, passeport énergétique) werden von qualifizierten Energieberatern erstellt
Im Zweifel vor Unterzeichnung das service urbanisme der Gemeinde anrufen. 15 Minuten Telefon sparen 3 Monate Genehmigungsschleife.
MwSt. und Abzugsfähigkeit
Das Architektenhonorar in Luxemburg unterliegt der MwSt. zu 17 %, unabhängig davon, ob die nachgelagerten Bauarbeiten vom reduzierten 3 %-Satz profitieren.
Satz in der Praxis:
- Honorar im Neubau: MwSt. 17 %
- Honorar bei Sanierung mit 3 % auf Werkleistungen: Architektenhonorar bleibt 17 % — der reduzierte Satz gilt nur für Bauleistungen, nicht für geistige Leistungen
- Honorar bei Gewerbe- oder Mietprojekten: MwSt. 17 %, bei MwSt.-pflichtigem Kunden ggf. abzugsfähig
Realität für Privatkunden:
- Die MwSt. auf Architektenhonorare ist für den privaten Eigentümer nicht erstattungsfähig — sie ist eine Kostenposition im Gesamtbudget
- Auf 6 000 € Netto-Honorar addiert die MwSt. 1 020 €, die nicht wiederkommen
Teilabzug für Vermieter:
- Ein für MwSt. registrierter Vermieter eines gewerblichen Objekts kann die Architekten-MwSt. auf dieses Objekt ziehen
- Eine Wohnraum-Vermietung ist MwSt.-befreit — die MwSt. ist nicht abziehbar, aber das volle Honorar gilt im Jahr der Fertigstellung als Werbungskosten
Rechnungs-Checkliste:
- MwSt.-Nummer und OAI-Eintragung des Architekten
- Phasen-Aufschlüsselung (APS, APD …) mit Honorar je Phase
- Verweis auf den unterzeichneten OAI-Rahmenvertrag
- Verweis auf die Berufshaftpflichtpolice (gesetzlich vorgeschrieben)
Um eine Phasen-Rechnung bitten statt einer Pauschale — hilfreich, falls die Mission vor DET abgebrochen wird.
Drei Architektenangebote vergleichen
Architektenangebote sind schwer vergleichbar, weil die Honorarstrukturen unterschiedlich sind — Prozent der Werkkosten, Pauschale, oder Stunden mit Deckel. Ein gemeinsames Briefing erzwingt Vergleichbarkeit.
Die sechs Prüfpunkte:
- Honorarstruktur. Prozent der Werkkosten (netto oder brutto?), Pauschale je Phase, oder Stunden mit Deckel? Den impliziten Prozentsatz auf ein genanntes Zielbudget verlangen.
- Abgedeckte Phasen. Welche der neun OAI-Phasen gehören zum Auftrag? APS-APD-PE ohne DET ist für jeden Bau unterdotiert.
- Implizites Werkbudget. 10 % auf 250 000 € bei Neubau ist verdächtig — die Basis prüfen.
- Fachplaner-Integration. Tragwerk, Thermik, CPE: im Architektenhonorar enthalten oder als Unteraufträge an den Kunden weiterberechnet?
- Baustellen-Besuche. Wie viele DET-Besuche pro Monat, welcher Tarif für zusätzliche Besuche?
- Berufshaftpflicht. OAI-Nummer und RC-Pro-Policereferenz in jedem Angebot.
Briefing-Paket:
- Einseitiges Briefing mit Flächenziel, Raumzahl, Zielbudget (netto und brutto)
- Lageplan, Katasterauszug, ggf. frühere Pläne
- Fotos des Bestandsgebäudes bei Sanierung
- Zieltermin und Flexibilität
- Vertragsabsicht (Vollleistung, Entwurf, Bauleitung)
Wo Architekten divergieren:
- Entwurfsorientierte Büros teurer in APS-APD, günstiger in DET (wenige Änderungen)
- Baustellen-orientierte Büros günstiger in APS-APD, mehr DET-Besuche während des Baus
Mindestens drei Büros sprechen. 30 Minuten Gespräch zeigen die Brief-Passung besser als die Zahl auf dem Blatt.
Typische Budgetrahmen für gängige Projekte
Ein Gefühl für die Budgetgrösse hilft, ein Angebot im Luxemburger Markt zu verorten.
Referenz-Umschläge (brutto, Architekt + Fachplaner + MwSt. 17 %):
- Wohnungs-Auffrischung mit Genehmigung (Fassade, Grundriss): 4 000–7 000 €
- Komplettsanierung mit Strukturänderung: 7 000–13 000 €
- Anbau 25 m², Einfamilienhaus, Genehmigung + Bauleitung: 12 000–22 000 €
- Dachgeschossausbau zu Wohnraum: 15 000–28 000 €
- Neubau 180 m² brutto, schlüsselfertige Mission: 35 000–55 000 €
- Zweifamilienhaus mit geteiltem Treppenhaus: 55 000–85 000 €
- Gewerblicher Ausbau mit Genehmigung: 6 000–15 000 €
- Denkmalgeschützte Fassadensanierung: 8 000–18 000 € (Behörden-Kontakt zeitintensiv)
Spreiz-Treiber:
- Städtisch vs ländlich. Luxemburg-Stadt und Esch-sur-Alzette 10–20 % Aufschlag gegenüber Mersch oder Diekirch.
- Denkmal-Liaison. Schutzgebiete addieren 2 500–5 000 € für Behörden-Dialog.
- Fachplaner-Zahl. Thermiker, Tragwerk, Brandschutz, CPE sind vier separate Positionen ausserhalb des Architektenhonorars.
- Entscheidungstempo. Langsame Entscheider treiben DET-Stunden — schnelle Kunden zahlen am unteren Ende, zögerliche am oberen.
Um einen Budget-Umschlagsbrief vor Unterzeichnung des OAI-Rahmenvertrags bitten: Er verpflichtet den Architekten auf ein Ziel ±15 % und ist das wirksamste Kontrollinstrument für Privatkunden.
Einen Architekten in Luxemburg zu beauftragen liegt bei 2 000 bis 9 000 €+ für die meisten privaten Projekte, getrieben von Phasen-Umfang, Projektwert und Fachplaner-Zahl. Prüfen Sie, ob Ihr Projekt die 80-m²-Schwelle überschreitet, verlangen Sie eine Phasen-Aufschlüsselung der OAI-Etappen und bestätigen Sie die MwSt.-Position bei 17 % auf das Honorar. Holen Sie vor Unterzeichnung des OAI-Rahmenvertrags einen Budget-Umschlagsbrief ein, befragen Sie drei OAI-Büros auf gleichem Briefing und streichen Sie die DET-Phase nicht, wenn es sich nicht um einen Einzel-Genehmigungsauftrag handelt. Fynd.lu listet OAI-eingetragene Architekten und Fachplaner mit Berufshaftpflicht und veröffentlichter Honorarordnung — drei Angebote auf gemeinsamer Briefing-Basis vor Beauftragung einholen.
