Preisleiter — Korrektorat bis Lektorat
Freelance-Lektorat in Luxemburg staffelt sich in vier Stufen. Die Stufe setzt Zeit pro 1 000 Wörter, Eingriffstiefe und Projektpreis.
| Stufe | Umfang | Preis pro Wort (brutto) | Projekt 3 000 Wörter | Bericht 60 Seiten |
|---|---|---|---|---|
| Korrektorat | Tippfehler, Interpunktion, Rechtschreibung | 0,035–0,055 €/Wort | 120–180 € | 340–520 € |
| Copy-Edit | + Grammatik, Konsistenz, leichter Stil | 0,055–0,085 €/Wort | 180–280 € | 520–820 € |
| Line-Edit | + Satzrhythmus, Klarheit, Stimme | 0,080–0,120 €/Wort | 260–400 € | 820–1 300 € |
| Lektorat (tief) | Struktur, Argumentation, 2 Runden | 0,120–0,200 €/Wort | 390–690 € | 1 300–2 200 € |
Typische LU-Aufträge:
- Kurze Marketing-Texte (Landingpage, E-Mail, 800–1 500 Wörter) — Pauschale 90–220 € pro Stück, Copy-Edit
- White Paper oder Fachartikel (2 500–4 000 Wörter) — 200–420 €, Copy- bis Line-Edit
- Konzern-Geschäftsbericht (40–80 Seiten, FR/DE oder EN) — 650–1 800 €, Copy-Edit mit Mehrsprachen-Konsistenz
- Akademische Thesis (80–150 Seiten) — 450–1 100 €, Copy-Edit, selten tiefes Lektorat (Betreuer macht Struktur)
- Romanmanuskript (70 000–90 000 Wörter) — 1 800–4 500 €, tiefes Lektorat + Line-Edit über 2 bis 3 Monate
Stundenrichtwerte (bei offenen Projekten):
- Korrektorat: 55–70 €/h
- Copy-Edit: 65–85 €/h
- Line-Edit: 80–100 €/h
- Tiefes Lektorat: 90–110 €/h
Ein Stundensatz ohne Wortzahl ist unzuverlässig — jedes ernsthafte Briefing erzeugt eine Pauschale. Wer auf 20 000 klaren Wörtern nur Stunden kalkuliert, schiebt das Fertigstellungsrisiko auf den Kunden.
Sprachpaar und Fach-/Rechtsaufschlag
Das Sprachpaar ist nach der Stufe der grösste Treiber. LU-Lektoren arbeiten EN, FR, DE und LB — der Aufschlag spiegelt Verfügbarkeit qualifizierter Muttersprachler plus Schwierigkeit des Vokabulars.
| Sprachkontext | Aufschlag auf Basissatz |
|---|---|
| EN monolingual, allgemein | 0 % (Basis) |
| FR oder DE monolingual, allgemein | +5–10 % |
| LB monolingual | +20–35 % (kleiner Muttersprachler-Pool) |
| EN + FR Konsistenz (zweisprachig) | +15–25 % |
| EN/FR/DE dreisprachig | +25–40 % |
| Rechtsvokabular (Verträge, Rechtsnotizen) | +20–35 % |
| Finanz / reguliert (MiFID, AML, CSSF) | +25–45 % |
| Life Sciences / Medizin | +20–35 % |
| Technik / Ingenieurwesen | +15–30 % |
Warum LB den höchsten unilingualen Aufschlag trägt: Der Pool qualifizierter Lektoren für Veröffentlichungen ist klein — 80 bis 150 aktive Freelancer. Der Durchsatz ist langsamer, Wörterbücher und Stilführer dünner, viele Entscheidungen (Anglizismus vs. frz. Lehnwort vs. dt. Struktur) sind mit dem Autor zu klären.
Warum Mehrsprachen-Konsistenz nicht „zweimal Korrektur” ist: Ein EN/FR/DE-Bericht muss gleiche Aussagekraft, gleiche definierte Termini und gleichen Ton halten. Ein kompetenter zweisprachiger Lektor sieht, wenn EN vorsichtig („may”) und FR bestimmt („doit”) liest und markiert. Dieser Abgleich macht 30 bis 50 % der abrechenbaren Zeit aus.
Fach-/Rechtsaufschlag — was Sie bekommen:
- Fachtrainierter Lektor, der echte Korrektur von Stilpräferenz unterscheidet, die einen definierten Begriff bricht
- Vertrautheit mit LU-Regulierungsvokabular (CSSF, ITM, ACD, CNPD) und Äquivalenten
- Fähigkeit, Autoren inhaltlich zu hinterfragen statt nur Sätze zu markieren
- RC-Pro-Versicherung mit Abdeckung für finanzwirksame Fehler
Ein faires Angebot benennt den Aufschlag: „EN Copy-Edit, Basis 0,065 €/Wort, +20 % Recht, +15 % 48h-Eile, total 0,091 €/Wort.” Versteckte Aufschläge tauchen mitten im Projekt als „Satzanpassung” auf — Warnsignal.
Was ein faires Lektorat-Angebot enthält
Ein seriöses LU-Lektorat-Angebot passt auf eine Seite mit sechs benannten Blöcken. Ist einer vage, ist die Lieferung mittendrin verhandelbar.
Enthalten — Standard-Umfang:
- Quellwortzahl explizit, Abweichungsklausel (±5 % zum Satz, darüber nachkalkuliert)
- Stufe (Korrektorat / Copy-Edit / Line / tief) und verwendeter Styleguide (Chicago, Oxford, Haus, kundenseitig)
- Anzahl Revisionsrunden (meist 1 leichter Durchgang nach Autor-Rückmeldung)
- Lieferfenster mit Verzugsregelung (typisch 5 % pro Tag, gedeckelt 25 %)
- Lieferformat (Word mit Änderungsverfolgung + Reindatei oder PDF-Anmerkungen)
- Rechnungsmodalitäten (MwSt.-Position, Zahlungsfrist, IBAN)
Ausgeschlossen — übliche Zusatzposten:
- Autorenrecherche oder Faktencheck über offensichtliche Fehler hinaus
- Satz/Layout (Lektor meldet, Grafiker korrigiert)
- Übersetzung (separate Disziplin)
-
- Revisionsrunde bei erheblicher Neufassung
- Eilaufschlag <48 h (+30–50 %)
- Wochenende/Feiertag (+20–30 %)
- Register, Bibliographie, Querverweis-Audit
Zahlungsstruktur:
- Kleine Projekte (<500 €) — bei Lieferung, 14 Tage
- Mittel (500–2 000 €) — 40 % Anzahlung, 60 % Lieferung
- Grosse Manuskripte (>2 000 €) — Staffelzahlungen (30/40/30)
MwSt. auf der Rechnung:
- Die meisten LU-Lektoren unter 35 000 € Jahresumsatz nutzen die Kleinunternehmer-Befreiung und rechnen MwSt.-frei („TVA non applicable — article 56ter LU”)
- Darüber oder per Wahl MwSt.-pflichtig mit 17 %
- Für B2B-Kunden meist vorsteuerabzugsfähig — wirtschaftlich gleich
Warnsignale:
- „Stundensatz, nur Schätzung” bei klarer Wortzahl
- Keine Stufenbezeichnung („allgemeine Durchsicht”)
- Kein Styleguide genannt
- Keine Revisionsrunde spezifiziert
- „+ MwSt.” ohne Position
- Kein Terminversprechen
- Anzahlung >50 % bei Erstauftrag
Selbstständigenstatus, MwSt. und Vertragsbasis
Ein Freelance-Lektorat in Luxemburg hat drei rechtliche Berührungspunkte: Selbstständigen-Status des Lektors, MwSt. auf der Rechnung, schriftlicher Vertrag.
Status des Lektors — warum es zählt:
- Ein gemeldeter LU-Freelancer arbeitet unter déclaration d'activité indépendante (beim Centre Commun de la Sécurité Sociale) mit eigener CCSS-Mitgliedschaft und RC-Pro-Versicherung
- Ein ungemeldeter Lektor bringt Requalifizierungsrisiko für den Auftraggeber — das Finanzamt kann die Beziehung als nicht gemeldete Beschäftigung einstufen
- Matricule CCSS oder MwSt.-Nummer vor dem Auftrag abfragen
Wenn der Lektor bei einer LU-Übersetzungsagentur angestellt ist:
- Rechnung von der Agentur mit Agentur-MwSt.-Nummer
- Agentur trägt die RC Pro
- Agentur übernimmt das Sprachpaar-Matching — bei Mehrsprachen hilfreich
Lektor im Ausland (DE, BE, FR an LU-Kunden):
- EU-Reverse-Charge — LU-Kunde meldet MwSt. in eigener Erklärung, Lektor rechnet netto
- Nicht-EU (UK, US) — LU-Kunde erhebt Import-MwSt. selbst
- B2B-LU-Kunde meist cash-neutral
Vertragsgrund (1 Seite reicht):
- Parteien, Datum, Projektbeschreibung, Lieferung
- Stufe und Styleguide
- Wortzahl, Abweichungsklausel
- Honorar, Anzahlung, Zahlungsfrist, IBAN
- Lieferdatum, Verzugsregelung
- Vertraulichkeit (kritisch für unveröffentlichte Manuskripte und Konzernberichte)
- Urheberpersönlichkeit — Lektor beansprucht keine Autorschaft und verzichtet auf Persönlichkeitsrechte am Text
- Urheberrecht — Text bleibt beim Autor, Lektor ohne abgeleitete Rechte
- Anwendbares Recht (Luxemburg) und Gericht
Häufige Streitfälle:
- „Wortzahl stieg um 30 %” — Abweichungsklausel deckelt; Screenshot zum Start
- „Lektor hat seine Stimme auferlegt” — Unterschied Line-Edit (ändert Stimme) vs. Copy-Edit (erhält); Stufe nennen
- „Zwei Runden wurden fünf” — Rundendeckel
DSGVO: Manuskript mit personenbezogenen Daten (Namen, Kundendatei, Gesundheit) → AV-Klausel nach DSGVO Pflicht. Die meisten LU-Lektoren haben Muster auf Anfrage.
Wie man einen Lektor briefed und drei Angebote vergleicht
Das Briefing zählt mehr als jede Angebotsverhandlung. Ein klares Briefing erzeugt enge Angebote mit 10–15 % Streuung; ein vages 40–60 % ohne Vergleichbarkeit.
Minimum-Pack (ein Word/PDF-Seite):
- Dokumenttyp (Artikel, White Paper, Manuskript, Bericht, These, Marketing)
- Sprache und Zielgruppe (LU-Öffentlichkeit, CSSF-Regulator, US-Fachpresse, akademische Peers)
- Quellwortzahl und erwartete Länge
- Stufe (Korrektorat / Copy-Edit / Line / tief)
- Styleguide (Chicago 17., Oxford New Hart's, Hausguide angehängt oder „Wahl des Lektors schriftlich begründet”)
- Lieferziel mit harter Deadline
- Format (Word / Google Docs / LaTeX / InDesign)
- Probe — erste 500 Wörter für genaue Preisung
- Stimme und Zielgruppenerwartung
Drei Angebote auf dasselbe Briefing. Ein sauberes Briefing macht Varianz zur Information.
Enger 3-Angebots-Spread:
- Lektor A: 0,072 €/Wort × 3 000 = 216 €, Lieferung 7 Tage, 1 Revision
- Lektor B: 0,068 €/Wort × 3 000 = 204 €, Lieferung 5 Tage, 1 Revision
- Lektor C: 0,085 €/Wort × 3 000 = 255 €, Lieferung 4 Tage, 2 Revisionen
C teuerster, aber kürzerer Termin + zusätzliche Revision — Aufschlag benannt.
Warnsignale:
- Streuung >40 % — einer hat den Scope falsch gelesen
- Der Günstigste ist auch der Schnellste — oft überlastet
- Angebot ohne Wortzahlnennung — nicht gelesen
- Nur Stundensatz auf klarem Wortprojekt — Risiko übertragen
Probe (empfohlen >1 000 €):
- 60–120 € für 1 000-Wörter-Probe je Shortlist-Lektor
- Ändersdichte, Kommentarqualität, Stimmpassung vergleichen
- Gewinner nicht immer der niedrigste €/Wort
Endkontrolle:
- Referenzen zweier Kunden vergleichbarer Arbeit (gleiches Sprachpaar, Domäne) aus 12 Monaten
- Unterschriebene NDA vorab bei sensiblen Vor-Publikations-Manuskripten
- Erster Meilenstein (10 % Arbeit bei 10 % Zeit) zur Fortschrittskontrolle
Versteckte Kosten und Warnsignale
Das Angebot ist selten die Endrechnung bei Projekten über drei Wochen. Fünf wiederkehrende Fallen decken die meisten Zusatzposten ab.
1. Scope-Creep als Revision getarnt: Ein tiefes Lektorat öffnet das Manuskript. Der Autor schreibt drei Kapitel neu. Der Lektor liest die Neufassung — das ist neue Arbeit, keine Revision. Ohne Cap im Vertrag +15–30 % still. Gegenmittel: Vertrag deckelt Runden, nennt „substanzielle Neufassung = neue Kalkulation”.
2. Eilaufschläge still gestapelt: Lektor auf 7 Tage beauftragt, akzeptiert Montag. Freitag bitten Sie um Dienstag statt Folgefreitag. Nicht vereinbarter Aufschlag erscheint. Gegenmittel: Aufschlag-Raster im Vertrag (+30 % <48 h, +50 % <24 h, +20 % Wochenende).
3. „Formatierung inklusive” ist es nicht: Korrektoren markieren Formatierung, korrigieren sie nicht. PDF mit 80 Änderungen + 40 Kommentaren zum Layout = Arbeit für den Grafiker. Gegenmittel: Lieferung klar benennen — „Word mit Änderungen + bereinigt” oder „PDF-Anmerkungen, Formatierung nicht korrigiert”.
4. Referenzen und Zitate nicht abgestimmt: Akademische und technische Manuskripte haben Bibliographien. Zitate reparieren, Harvard vs. APA, Text-zu-Liste-Abgleich = Arbeit. Kein Korrektorat. Gegenmittel: Zitat-Audit explizit in/out; 0,02–0,04 € je Zitat budgetieren.
5. Urheberrechts- und Persönlichkeitsrechts-Überraschungen: Lektor, der sein Line-Edit als schöpferischen Beitrag sieht, kann Mitautorschaft oder Persönlichkeitsrechte reklamieren. Risiko bei gemeldeten LU-Lektoren niedrig, bei einigen internationalen Plattformen real. Gegenmittel: Verzichtsklausel im Vertrag; gesamtes geistiges Eigentum an den Auftraggeber.
Schlechte Passung:
- Nennt Tools nicht (Word, Google Docs, PerfectIt, Grammarly Pro) — Amateur-Workflow
- Liefert keine Probe bei >500 €
- Vorkasse 100 % bei Erstauftrag
- Angebot ohne Probe-Lektüre (generische Wort/Stunden-Schätzung)
- Keine zwei aktuellen vergleichbaren Referenzen
- MwSt. oder CCSS verweigert — wahrscheinlich ungemeldet
Guter Lektor:
- Detailliertes Angebot <48 h
- Hinterfragt Briefing (Stimme, Zielgruppe, Styleguide-Grenzfälle)
- Berufsverband genannt (SFEP für EN, Chambre des métiers LU)
- Risikofreie Probe
- Rechnung mit klarer MwSt.-Position
- Glossar und Hausstil über wiederholte Engagements
Freelance-Lektorat in Luxemburg kostet 120 bis 690 € brutto pro Projekt für typische KMU-/Autorenaufträge, mit Stundensätzen 55 bis 110 € je nach Stufe — Korrektorat, Copy-Edit, Line, tief. Grösste Treiber: Sprachpaar (EN am günstigsten, LB und mehrsprachig +20–40 %), Tiefe, Termin. Beauftragen Sie gemeldete Freelancer, die ihre Matricule CCSS zeigen, mit klarer MwSt.-Position rechnen (Befreiung Artikel 56ter oder 17 % bei Registrierung) und einen Einseitenvertrag mit Umfang, Styleguide, Revisionsdeckel und Persönlichkeitsrechts-Verzicht unterzeichnen. Briefen Sie drei Lektoren auf dasselbe Dokument und bezahlen Sie eine Probe bei jedem Manuskript >1 000 €. Fynd.lu listet gemeldete Freelancer EN/FR/DE/LB mit Referenzen und MwSt.-Status — drei Angebote auf ein Briefing vor Beauftragung.
